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Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Haigerseelbach

Um die Jahrhundertwende bestand in unserem Dorf wie allerorts eine Pflichtfeuerwehr der alle arbeitsfähigen Männer angehören musste. Unterhalten wurde diese Wehr, die auch schon eine Feuerspritze besaß und von einem Spritzen- und Brandmeister geführt wurde, von der Gemeinde.


Aus Gemeinderechnungen des Jahres 1904 geht hervor, dass die Feuerspritze zur Reparatur nach Haiger gefahren wurde, die Feuerleitern von dem hiesigen Schmied Rudolf Kölsch neu beschlagen wurden und das der Lohn für den Brandmeister jährlich 15,- Mark betrug. Außerdem wurde im selben Jahr der Brandweiher mitten im Dorf beim Gemeindegebäude repariert und die Wände neu aus Beton zum Preis von 70,50 Mark hergestellt. Dazu kam ein neues Geländer. 1906 wurde ein Schlauchreparaturkasten mit Werkzeug und Notverbänden angeschafft.

Diese Beispiele zeigen, dass der Gemeindeverwaltung die Pflichtfeuerwehr doch recht wichtig war. Aber Pflicht ist eben auch manchmal lästig und wird nicht mit soviel Idealismus ausgeführt als freiwillige Tätigkeiten.

So berichtete das Dorf- und Hausbuch wörtlich : '' Emil Heinz I war Führer der Steigmannschaft von der Pflichtfeuerwehr. Das trübselige Verhalten derselben genügte ihm und auch noch verschiedenen anderen Einwohnern aus dem Dorf, wie Karl Heubel, Adolf Krumm, Hermann Heinz, Heinrich Kring I und Alfred Heubel nicht. Wenn diese zur Arbeit gingen unterhielten sie sich darüber, dass die Arbeit der Pflichtfeuerwehr nichts taugte, und sie wollten zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr schreiten. Anfangs stießen sie bei der Gemeindebehörde auf Widerstand, dann aber sah die Behörde die Notwendigkeit ein. So wurde zur Gründung geschritten. Bei der Gründungsversammlung am 8.3.1908 waren 48 Mitglieder, die sich zur Freiwilligen Feuerwehr bekannten. Auf der selben wurde Hermann Heinz zum 1. Kommandanten und Karl Heubel zum 2. Kommandanten gewählt, welcher auch die Führung der Spritzenmannschaft übernahm. Emil Heinz wurde Führer der Steigmannschaft. Alfred Heubel wurde Führer der Wassermannschaft. Die übrigen Wahlen wurden statuengemäß getätigt. Bei der 1. Versammlung wurden die Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände besprochen und der Kauf beschlossen. Nach eintreffen der Ausrüstungsgegenstände konnte die Wehr am 17.5.1908 die erste Übung abhalten. Kommandant und Führer hatten sich energisch für eine schlagfertige Feuerwehr eingesetzt, und so wurden auch die Übungen abgehalten. Im 1. Jahr wurde 13 Übungen und 4 Alarmübungen getätigt. Die Wehr hatte zu dieser Zeit 2 Spritzen. Eine alte Spritze, in die noch das Wasser mit Eimern eingefüllt werden musste, und eine kleine Saug- und Druckspritze aus dem Jahre 1885.

Die erste große Probe hatte die Wehr 1910 zu bestehen. Lehrer Blecher berichtet in der Schulchronik:

Am 9. November 1910 des Morgens um 5 Uhr wurden die Bewohner unseres Ortes durch Feuer- lärm aus dem Schlaf geweckt. Es brannte das Gehöft des Landmanns Karl Kretzer. Bei den gefüllten Scheunen und Speichern fand das gierige Element reichlich Nahrung, so dass an Rettung des betreffendes Hauses nicht zu denken war. Nachdem man das Vieh in Sicherheit gebracht hatte, mussten man sich darauf beschränken, die umliegenden Häuser durch bespritzen zu sichern. Nachdem noch einige Auswärtigen Feuerwehren (Steinbach, Haiger, Allendorf) erschienen waren, gelang es das Mobilar aus dem unteren Stockwerk zu retten; es war dies sehr wünschenswert, zumal der Besitzer des Hauses nicht versichert war. Es sei noch erwähnt, dass dieses Haus neben einigen anderen bei dem großen Brande 1769 stehen geblieben war.

Die nachfolgenden Jahre bis 1927 bewiesen, dass die Feuerwehr unter dem 1.Kommandanten Hermann Heinz blühte und gedieh. Als im selben Jahr der Bürgermeister Adolf Krumm verstarb, dessen Stellvertreter Heinz war, musste er auch die Geschäfte der Gemeinde führen. Später wurde er zum Bürgermeister gewählt und konnte das Amt des Kommandanten nicht mehr ausführen. Feuerwehrmann Wilhelm Kölsch wurde als Nachfolger gewählt, und führte sein Amt pflichtbewusst und zielstrebend aus. Er war ein Mann des Fortschritts.

Schon nach einjähriger Tätigkeit bekam die Wehr 1928 eine Motorspritze.

Im März 1933 feierte die Wehr ihr 25jähriges Bestehen. Dabei wurde Hermann Heinz zum Ehrenkommandant ernannt. Es erhielten das Verbandsehrenzeichen für 25jährige Feuerwehr- Tätigkeit und die preußischen Staatsmedaille : Emil Heinz I, Hermann Heinz, Alfred Heubel, Reinhard Eichert, Heinz Kiehl, Karl Kring, Wilhelm Weber, Arnold Brücher, Wilhelm Heinz, Gustav Knetsch, Paul Kretzer I, Theodor Gumbert und Ewald Paul, Karl Kretzer, Wilhelm Kölsch und Hermann Krumm.

1936 berichtete Lehrer Hommer in der Schulchronik von einem Wohnhausbrand :" Am Freitag, den 4.12.1936 abends um 10 Uhr brach in der Scheune des Land- und Gastwirts Heinrich Kring Feuer aus. Feuerwehr und die Dorfbewohner waren schnell zur Stelle und waren bald Herr über das Feuer. Heu und Grummet wurden vernichtet und Möbel beschädigt. Die Brandmauer zwischen Haus und Scheune hielt viel ab. Nachher fing auch das Stroh im Schuppen hinter dem Haus an zu brennen, war aber schnell gelöscht. Das Vieh wurde gerettet, der Schaden ist groß."

Nach dem 2.Weltkrieg hielt Wilhelm Kölsch nach 22jähriger Tätigkeit als Kommandant es für angebracht, das Wohl der Wehr in jüngere Hände zu legen. Am 6.1.1949 konnte Eugen Engel die Feuerwehr in einer Stärke von 30 Mann übernehmen. Er sorgte dafür das 1959 eine neue Motorspritze (TSA 8) angeschafft wurde. Dass er das Vertrauen, welches in ihn gesetzt wurde, voll und ganz rechtfertigte, beweist die Tatsache, dass die Wehr 1957 42 Mann aufzuweisen hatte und an Einsatzbereitschaft, Kameradschaft und Entschlossenheit ihresgleichen suchte.

Das 40jährige bestehen der Wehr wurde 1952 gefeiert, da sich im Jubiläumsjahr noch alles im Neubeginn befand. Bei diesem gelungenen Fest wurden 9 Mitbegründer für 40jährige Tätigkeit geehrt. Die Feuerwehrmänner erschienen in neuen Uniformröcken. "Im Hinblick auf die soziale Notwendigkeit der Wehr fand sich die Gemeinde bereit, die Anschaffung der Uniformen zu finanzieren." betonte Bürgermeister Albert Dittmann.

1958 wurde das 50jährige Jubiläum der Feuerwehr im Festzelt auf der Osterwiese begangen. Bürgermeister Wilhelm Kölsch, selbst Mitbegründer, rief besonders die jugendlichen auf, der Wehr treu zu bleiben, wie es die 5 noch lebenden Gründer 50 Jahre lang getan hatten.

Einen Waldbrand von besonders großem Ausmaß galt es 1959 zu löschen. Zweieinhalb Morgen Jungfichten wurden vernichtet, weil ein Spaziergänger ein brennendes Streichholz weggeworfen hatte.

Ihre Schnelligkeit bewies die Wehr im gleichen Jahr bei einem Wettbewerb in Haiger gegen harte Konkurrenz. Der hiesige Löschzug gewann in 61 Sekunden gegen Sechshelden mit 75 Sek. und Haiger in 84 Sek. Die Haigerseelbacher hatten nur eine 400-Liter Spritze gegenüber den 800-Liter-Spritzen der Mitbewerber.

Eugen Engel legte 1961 nach sehr erfolgreicher Tätigkeit als Ortsbrandmeister sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Sein Nachfolger wurde Roland Schol, er sein Amt nur ein halbes Jahr lang ausübte.

Im Herbst 1961 lud Bürgermeister Wilhelm Kölsch den Feuerwehrmann Gerold Rompf ins Gemeindehaus ein und bat ihn, die Feuerwehr bis zur Jahreshauptversammlung im Frühjahr 1962 kommissarisch zu leiten. Im März 1962 wurde Gerold Rompf dann offiziell zum Ortsbrandmeister gewählt.

In der Nacht vom 29. auf 30. Mai ereignete sich in unserem Dorf einer der schlimmsten Wohnhausbrände in der Geschichte Haigerseelbachs. Im Haus einer jungen Familie brach ein verheerendes Feuer aus, bei dem für 3 Kinder, trotz vorbildlichem Einsatzes der Feuerwehr jede Hilfe zu spät kam. Der Sachschaden war hoch.

Das 60jährige Gründungsfest konnten die Feuerwehrmänner im August 1968 begehen. Hohe Ehrungen bekam Wilhelm Kölsch, der nunmehr letzter Mitbegründer war.

Die gute Zusammenarbeit von Gerold Rompf mit Bürgermeister Gustav Müll und der Gemeindevertretung sollte sich schon 1967 zeigen, als der Bürgermeister der Wehr den Schlüssel eines VW - Busses überreichen konnte.

1968 wurde in 1800 freiwilligen Arbeitsstunden der Brandweiher ausgebaut.

Ein besonders Erwähnenswertes Ereignis war die Übergabe des Löschfahrzeuges im Juli 1971. Der Kauf des Fahrzeuges wurde durch die Unterstützung der Gemeinde und des Kreises ermöglicht. Bürgermeister Gustav Müll übergab im Rahmen einer Feierstunde die Fahrzeugschlüssel.

Am 8.3.1974 wurde das Feuerwehrgerätehaus eingeweiht. Bürgermeister Müll betonte in seiner Ansprache, das neue Haus stehe unter dem Motto: " Kameradschaft und Pflichtbewusstsein," was ja auch durch unzählige Arbeitsstunden der Mitglieder beim Bau bestätigt worden war.

Ein großes Ereignis war dann am 26. Juni 1976 die Weihe der neuen Feuerwehrstandarte. Als Sprecher aller Ortsvereine überreichte Eckard Born der Feuerwehr eine Fahnenschleife als Ehrengabe.

Als Antrieb und Motor all dieser genannten Aktivitäten ist in besonderem Maße Gerold Rompf zu nennen. Er steht nunmehr 22 Jahre an der Spitze der Feuerwehr, die als unentbehrliche Einrichtung unser dörfliches Leben mitprägt.

1980 erfüllte sich der Ortsbrandmeister einen großen Wunsch mit der Gründung einer Jugendfeuerwehr. Mittlerweile sind 15 Jungens mit Begeisterung dabei und werden von Gerold Rompf auf ihre zukünftigen Aufgaben als qualifizierter Nachwuchs vorbereitet.

In all den Jahren hat die Freiwillige Feuerwehr bei kleineren und größeren Bränden, bei Katastrophen und Hochwasseralarm ebenso wie bei vielen unzähligen Hilfeleistungen unter dem Motto " Einer für alle, all für Einen ", ihr bestes getan.

Quelle : Festschrift (1983) E.Janzweert
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